Die
Geschichte der Nebenbahn Heimbach/Nahe - Baumholder |
Die
Eisenbahn
von
Heimbach nach Baumholder 1897 — 1912
Entnommen aus den Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Landkreis
Birkenfeld Sonderheft 11 1964 |
Das
Eisenbahnkomitee von Baumholder
Die Eisenbahnkomitees von Baumholder und Birkenfeld waren bemüht eine
Fortsetzung der Hochwaldbahn nach Kusel zu erreichen. Nachdem
Birkenfeld zwischenzeitlich aus eigener Kraft seine Nebenbahn gebaut
hatte, war das Bündnis der beiden Komitees hinfällig geworden.
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Wünsche
bei der preußischen Regierung
Das Eisenbahnkomitee von Baumholder musste nun allein sehen, wie es
seinen Wünschen bei der preußischen Regierung Nachdruck verlieh. Die
Chancen für eine Bahn nach Kusel über Baumholder waren jedoch in den
siebziger und achtziger Jahren sehr gering. Eine solche Bahn passte nicht
in die preußische Bahnpolitik, da Baumholder zu sehr an der Peripherie
der preußischen Rheinprovinz lag.
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Keine
Verbindung ins bayrische Kusel
Preußen war an einer Verbindung nach dem bayrischen Kusel nicht
interessiert. Andererseits machte auch Bayern keine Anstalten, die Linie
Landstuhl — Kusel in Richtung Baumholder fortzusetzen.
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Zuschuss
von 50 000 Mark
Die damaligen Gesuche des Komitees von Baumholder an die preußische
Regierung blieben daher unbeantwortet, obwohl die Gemeinden Baumholder und
Heimbach bereit waren, einen Zuschuss von 50 000 Mark für den notwendigen
Grunderwerb aufzubringen
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Bahnbau
ist Wahlkampfthema
Zuweilen
bemächtigten sich auch die damaligen politischen Parteien der
Eisenbahnfrage Baumholders zum Zwecke ihrer Propaganda. Dies war
natürlich besonders vor den jeweiligen Reichstags- und Landtagswahlen der
Fall. Aber auch diese Impulse brachten in den neunziger Jahre keinen
Bahnbau nach Baumholder zustande
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Alternative
kommunale Kleinbahn
Die Verfügung des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten
vom 12. April 1897, den Bau der Strecke Heimbach—Baumholder dem privaten
oder kommunalen Kleinbahnbau zu überlassen, schien auf die zukünftige
Entwicklung eher von negativem Einfluss zu sein. Bedeutete diese
Verfügung doch, dass der preußische Staat noch nicht einmal eine
normalspurige Meliorationsbahn plante, geschweige denn an eine
durchgehende Strecke nach Kusel dachte. |
Private
Eisenbahngesellschaft
Unter diesen Umständen war man in Baumholder schon zufrieden, als sich
im Jahre 1899 eine private Gesellschaft für den Bau einer Schmalspurbahn
von Heimbach nach Baumholder interessierte. Es handelte sich um die
„Continentale Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft" zu Berlin,
die eine Stichbahn mit einer Spurweite von l m mit Abzweigungen nach dem
Steinbruch am sog. „Staarfels" und den sog. „Ronnenberger Brüchen"
im Totenalptal beabsichtigte. Eine Verlängerung der zweiten Abzweigung
bis zum damaligen „Neuwirtshaus" im Glantal wurde erwogen. Am 21.
April 1899 fragte die Gesellschaft beim Regierungspräsidenten zu Trier
an, ob diese Bahn als Kleinbahn nach dem preußischen Gesetz vom 28. Juli
1892 für ein Privatunternehmen freigegeben werden könne.
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Stellungnahme
des Landrates
Um sich einen besseren
Überblick über die örtlichen Verhältnisse zu verschaffen, bat die
preußische Regierung den zuständigen Landrat, von Hagen, zu diesem
Projekt Stellung zu nehmen. Von Hagen wies darauf hin, dass durch die
verkehrsungünstige Lage Baumholders das Städtchen und seine Umgebung
immer mehr verarme. Die große Zahl der Hypotheken auf den dortigen
Ländereien und Häusern sei bezeichnend. Die Größe der Märkte ging von
Jahr zu Jahr zurück. Eine Industrie sei nicht vorhanden und könne sich
ohne eine Bahn auch nicht entwickeln. Selbst die nahe Saarkohle sei für
etwaige Interessenten in Baumholder unerschwinglich.
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Jährlich
10 000 Doppelwaggons Steine
Das Projekt der genannten
Gesellschaft basiere in erster Linie auf den Pflastersteinbrüchen in
Baumholder, Ronnenberg, Aulenbach, und Frohnhausen, die bei einem
Bahnanschluss im großen Umfang ausgebeutet werden könnten. Die
Gesellschaft wolle sich auf einen Bahnbau nur einlassen, wenn diese
Steinbrüche jährlich 10 000 Doppelwaggons Steine liefern könnten. |

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Unentgeltliche
Hergabe von Grund und Boden
Außerdem verlange die Continentale Eisenbahngesellschaft die
unentgeltliche Hergabe des für den Bahnbau notwendigen Grund und Bodens.
Von Hagen glaubte zwar, dass eine solche Bahn den Bürgermeistereien
Baumholder, Grumbach und Burglichtenberg von Nutzen sein könne, aber er
bezweifelte die Rentabilität dieser Kleinbahnlinie.
Terrainschwierigkeiten waren seiner Meinung nach nicht zu erwarten.
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Baugenehmigung 1899
Die Stellungnahme von Hagens, die auf dem üblichen Instanzenweg nach
Berlin gelangte, bewirkte am 14. September 1899 die Baugenehmigung für
die Gesellschaft. Am 2. November 1899 erteilte auch Oldenburg der
Gesellschaft die Baugenehmigung für den kleinen Teil seines Gebietes bei
Heimbach.
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Streckenlänge
von 16,1 km
Die Gesellschaft arbeitete nun die Pläne bis ins letzte Detail aus.
Die gesamte Länge der Bahn sollte einschließlich der Abzweigungen 16,1
km betragen. Eine Kreuzungsweiche bei Heimbach, der Bau einer Nahebrücke
und eine teilweise Verlegung der Provinzialstraße Heimbach — Baumholder
waren vorgesehen. Die Bahn sollte neben dem Gütertransport von Steinen,
Kohlen, Baumaterialien und landwirtschaftlichen Produkten auch dem Personenverkehr
dienen.
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Ein
Bahnhof für Baumholder
Ein
Bahnhofsgebäude sollte in Baumholder erstellt werden. |
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Der
Bahnbau steht bevor
Am 29. Juli 1901 fand eine
polizeiliche Vorprüfung der projektierten Bahnlinie statt, die den
gestellten Anforderungen entsprach. Der Bahnbau schien unmittelbar
bevorzustehen. |
Schmalspurige
Industriebahn für 200 000 Mark
Deshalb wollte er selbst eine schmalspurige Industriebahn von den
Steinbrüchen bei Baumholder nach Heimbach bauen, die nur 200 000 Mark
kosten sollte. Außerdem verzichtete Burger auf Subventionen aus öffentlichen
Mitteln, während die Continentale Eisenbahngesellschaft
Finanzierungshilfen von der Stadt Baumholder und dem Kreis St. Wendel
gefordert hatte. |
Das
Gegenprojekt
Da tauchte plötzlich ein Gegenprojekt auf. Dem Pächter des
Steinbruchs Staarfels, Ingenieur Paul Burger, waren ernste Bedenken ob der
Rentabilität des Projektes der Continentale Eisenbahngesellschaft
gekommen. Er fürchtete dass die hohen Baukosten der Bahn von etwa l
Million Mark zwangsläufig zu hohen Frachtkosten führen würden. Daran
aber war Burger als Steinbruchpächter nicht interessiert, da er dann mit
den Steinbruchunternehmen an der Rhein-Nahe-Bahn nicht mehr hätte
konkurrieren können. |
Stimmungsumschwung
und Verzicht
Der rasche Stimmungsumschwung zu Gunsten des Burgerschen Projektes in
Baumholder im Landkreis und bei der Regierung zu Trier nimmt daher nicht
Wunder. Der Landrat von St. Wendel mahnte die Regierung, bei der
Konzessionserteilung für die Berliner Gesellschaft Vorsicht walten zu
lassen. Er schlug vor, dem privaten Projekt einer Industriebahn näher
zutreten, da dieses „lebensfähiger" als das Millionenprojekt
der Gesellschaft sei. Die Continentale Eisenbahngesellschaft, die davon
erfuhr, reagierte äußerst empfindlich: Sie zog ihr Projekt sofort zurück.
Ohne Mithilfe der Steinbruchunternehmer war das Unternehmen nicht durchzuführen. |
Projektmängel
– keine Personenbeförderung
Als Burger aber seine Pläne detaillierter ausgearbeitet hatte, zeigten
sich doch manche Mängel. Einmal war das Projekt nur als Güterbahn ohne Möglichkeit
für eine Personenbeförderung gedacht. Seine Versicherung, dass die Bahn
später auch als Personenbahn benutzt werden könne, klang wenig
glaubhaft. |
Gleise
in der Straße
Zum anderen sollte die Bahn mitten durch die Ortschaft Heimbach führen.
Ihre Gleise sollten in die dortige Provinzial Straße eingelassen werden.
Dies bedeutete zweifellos eine starke Behinderung des Straßenverkehrs.
Burger ließ wissen, dass er die Bahn nicht um Heimbach herumführen könne,
da das Projekt dann zu teuer sei.
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Projektaufgabe
1902
Trotz der wohlwollenden Haltung des Landrates und der Regierung zu
Trier gab Burger sein Projekt im Sommer 1902 auf. Der Landeshauptmann der
Preußischen Rheinprovinz, der die Provinzialstraßen überwachte, hatte
seine Genehmigung versagt. |
Strecke
über Reichenbach?
Alte Leute in Reichenbach
wollen wissen, dass kurz nach der Jahrhundertwende auch das Projekt einer
Linienführung über Ruschberg — Reichenbach — Frohnhausen —
Baumholder bestanden haben soll. Der Reichstagsabgeordnete Schubert,
Schwiegersohn des Industriellen Stumm in Neunkirchen an der Saar, soll für
dieses Projekt eingetreten sein. In den Regierungsakten hat sich darüber
allerdings kein Hinweis gefunden. |
Doch
noch Staatseisenbahn
Im Jahre 1905 entschloss sich der preußische Staat doch, selbst eine
Stichbahn von Heimbach nach Baumholder zu bauen. Man hatte in Berlin
eingesehen, dass eine solche Bahn nicht genügend Anreiz für das private
Unternehmertum bot. |
Planungsauftrag
Am 20. Februar 1905 teilte das Ministerium der öffentlichen Arbeiten
der Regierung zu Trier mit, dass die Kgl. Eisenbahndirektion in Saarbrücken
den Auftrag erhalten habe, allgemeine Vorarbeiten für eine Nebeneisenbahn
Heimbach—Baumholder bis zum 15. August 1905 anzufertigen. Das
Ministerium legte im Gegensatz zu den vorangegangenen privaten Projekten
wert auf eine normalspurige Bahn, die den üblichen Anforderungen genügen
sollte. |
Wieder
zwei Projekte
Wieder einmal standen zwei Projekte zur Diskussion. Die erste Linie
sollte von Heimbach über Fohren und Linden nach Baumholder führen, die
zweite sollte ihren Weg von Heimbach über Ruschberg nach Baumholder
machen. Die Pläne für beide Projekte wurden von der Eisenbahndirektion
bis Sommer 1906 fertiggestellt. |
Mehr
Fürsprecher für Projekt eins
Es zeigte sich bald, dass das erste Projekt viel mehr Fürsprechen fand
als das zweite. Es bildete sich ein sog. Gesamtausschuss für die Erbauung
der Eisenbahnlinie „Heimbach - Fohren - Linden- Baumholder“, dem alle
Ortschaften südwestlich von Baumholder angehörten, die von dieser Linie
profitieren konnten. |
Richtungsstreit
Der übliche Streit um die Richtung begann. |
Denkschrift
Dieser Ausschuss richtete am l.
Mai 1905 eine Denkschrift an den damaligen Minister der öffentlichen
Arbeiten, Herrn von Budde. Das Hauptargument der Denkschrift war, dass
durch die besagte Linie viel mehr Ortschaften erschlossen würden als bei
dem Projekt Ruschberg - Baumholder. Nach der Meinung des Ausschusses waren
dies die Ortschaften: Berglangenbach, Berschweiler, Breitsesterhof,
Eckersweiler, Fohren-Linden, Freisen, Hahnweiler, Mettweiler, Pfeffelbach,
Reichweiler, Rohrbach, Rückweiler, Schwarzerden und Thallichtenberg.
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6200
Einwohner
Sie
alle zusammen machten eine Einwohnerzahl von etwa 6 200 aus. Die
Denkschrift behauptete, dass damit ein elfmal so großes Verkehrsgebiet
erschlossen würde, als dies bei dem Konkurrenzprojekt der Fall wäre.
Alle genannten Ortschaften hätten einen reichen landwirtschaftlichen
Absatz, hinzu käme ein bedeutender Steinbruch in Fohren. |
Keine
Fußmärsche mehr
Die Bahn sei aber auch in
sozialer Hinsicht sehr wichtig. Die genannten Ortschaften stellten ein
verhältnismäßig großes Kontingent von 500—600 Arbeitern für das
saarländische Industriegebiet, das täglich erst nach stundenlangen Fußmärschen
zur Rhein-Nahe-Bahn erreicht werden konnte. Eine Bahnlinie über
Fohren-Linden bedeute für diese Arbeiter eine wesentliche Erleichterung. |
Eingaben
Auch die Handelskammer Saarbrücken
richtete eine Eingabe ähnlichen Inhalts an von Budde. Der Landrat von St.
Wendel, von Aschoff, trat aus den gleichen Gründen ebenfalls für eine
Linie über Fohren-Linden ein. Er meinte, dass dieses Projekt auch dann
den Vorzug verdiene, wenn später einmal eine Bahnlinie St. Wendel—Kusel
oder Türkismühle— Kusel gebaut werden sollte. Die meisten
obengenannten Ortschaften lägen auch dann zu weit von solchen zukünftigen
Linien ab. |
Baumholder
auf der Gegenseite
Auf der Gegenseite stand nur
das Städtchen Baumholder selbst, das die Linie über Ruschberg wollte. Bürgermeister
Siemssen von Baumholder versuchte das gegnerische Argument zu entkräften,
die Bahn über Ruschberg erschließe ein wesentlich kleineres
Verkehrsgebiet als die Linie über Fohren-Linden. |
Konkurrenz
für Baumholder
Er betonte, dass die Bahn nicht
nur Ruschberg, sondern auch Reichenbach, Aulenbach, Ausweiler,
Breungenborn und Frohnhausen zugute käme. Wahrscheinlich aber hatte von
Aschoff recht, wenn er behauptete, dass Baumholder die Linie über
Fohren-Linden nur deswegen bekämpfe, weil dadurch die Ortschaft
Berschweiler profitiert hätte, deren Konkurrenz Baumholder fürchtete. |
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Entscheidung
des Ministeriums
Der Richtungsstreit fand durch
die Entscheidung des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten
im Jahre 1907 ein rasches Ende. Der Minister entschied sich für die Linie
über Ruschberg. Er begründete seinen Entschluss damit, dass die Linie über
Fohren-Linden 3,6 km länger sei und in technischer Beziehung die
wesentlich schwierigere Linienführung darstelle. Ihre Mehrkosten hätten
1,3 Millionen Mark betragen.
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Ermächtigung
durch das Parlament
Am 14. Mai 1908 wurde die preußische
Regierung durch das Parlament zum Bau der Eisenbahn von Heimbach über
Ruschberg nach Baumholder ermächtigt.
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Unentgeltliche
Hergabe von Grund und Boden
Mit den Bauarbeiten sollte erst
begonnen werden, nachdem der Kreis St. Wendel den erforderlichen Grund und
Boden unentgeltlich hergegeben oder einen Pauschalbetrag in Höhe von 398
000 Mark gezahlt haben würde. Da die oldenburgische Regierung die
unentgeltliche Hergabe des Grund und Bodens innerhalb ihres Landesgebietes
nicht zugesagt hatte, sollte der Landkreis auch dafür aufkommen. Am 3.
Juli 1908 stimmte der Kreistag für die unentgeltliche Hergabe des Baugeländes. |
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Pläne
werden ausgelegt
Die Pläne und
Bauwerksverzeichnisse wurden öffentlich ausgelegt, damit die Gemeindebürger
Gelegenheit hatten, gegen etwaige Benachteiligungen Einspruch zu erheben.
Insgesamt mussten 197 Grundstücke enteignet werden.
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Höhere
Preise gefordert
Dies war mit großen
Schwierigkeiten verbunden, da zahlreiche Bauern höhere Preise als
vorgesehen verlangten. Sie fühlten sich benachteiligt, da durch den
Bahnbau die ausreichende Bewässerung vieler angrenzender Wiesengrundstücke
in Frage gestellt wurde. In anderen Gegenden bestand größere Überschwemmungsgefahr.
Teilweise war auch ein schlechterer Zuweg der Grund ihrer höheren
Forderungen.
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Zusätzliche
Gräben
Soweit es die technischen
Gegebenheiten zuließen, hat die Eisenbahndirektion durch den Bau von Entwässerungsrohren
durch den Bahnkörper und durch Anlage von Bewässerungsgräben diese
Forderungen erfüllt. |
Keine
Zuwege zu den Bahnhöfen
Weitere Schwierigkeiten ergaben
sich bei der Festlegung der Zufahrtswege zu den Bahnhöfen von Heimbach
und Ruschberg: 39 Bürger aus Heimbach wollten nicht, dass der Zufuhrweg
zum Bahnhof von der Straße Heimbach—Berschweiler angelegt werde, da
ihre Geschäfts- und Gasthäuser an der Hauptstraße Heimbach—Baumholder
lagen. Der Zufahrtsweg sollte in ihre Straße einmünden. Die Regierung
aber lehnte dieses Ansinnen ab.
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Kein
Geld für den Weg zum Bahnhof
Die Gemeinde Ruschberg sollte
den Zuweg zu ihrem Bahnhof selbst finanzieren. Aber sie weigerte sich, da
sie dafür nicht so viel Geld aufbringen wollte. Der Streit zog sich bis
zum Jahre 1913 hin. Erst als die Eisenbahndirektion mit der Schließung
des Bahnhofs drohte, erklärte sich der Gemeinderat bereit, einen Zuschuss
von 2 000 Mark für den Weg zu bezahlen und für seine weitere
Unterhaltung aufzukommen. |
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Vertrag
mit Oldenburg
Obwohl die Bahnlinie bei
Heimbach nur einen sehr kleinen Streifen oldenburgischen Gebietes berührte,
war trotzdem die umständliche Prozedur eines Vertragsabschlusses zwischen
Oldenburg und Preußen notwendig. Der 13 Artikel umfassende Staatsvertrag
wurde am 17. März 1908 in Berlin abgeschlossen. Oldenburg gestattete
darin Preußen den Bau und den Betrieb der Bahn „innerhalb seines
Staatsgebietes". |
Vollendung
am 15.7.1912
Der Bau der Bahn Heimbach —
Baumholder wurde erst am 15. Juli 1912 vollendet.
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Mehrere
Todesopfer
Unter den Arbeitern waren
zahlreiche Italiener und Kroaten. Der schwierige Tunnelbau bei Heimbach
verlangte mehrere Todesopfer. Die Gesamtkosten der 8,93 km langen
Bahnstrecke betrugen ungefähr 3,5 Millionen Mark.
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Zwei
Bahnhöfe für Heimbach
In Heimbach gibt es seit dieser
Zeit zwei Bahnhöfe, Heimbach-Nahe und Heimbach-Ort, die etwa 3 km
auseinander liegen. Der erste Bahnhof ist eine Station der
Rhein-Nahe-Bahn, während der zweite Bahnhof zur Nebenbahn nach Baumholder
gehört.
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Der
erste Fahrplan
Der erste Fahrplanentwurf der
Stichbahn war auf den Fahrplan der Rhein-Nahe-Bahn abgestimmt. Er sah täglich
5 Züge von Heimbach nach Baumholder und 4 Züge in umgekehrter Richtung
vor. An Samstagen, Sonntagen und Montagen waren noch zusätzliche Züge für
die im Saargebiet tätigen Arbeiter eingesetzt. Die gesamte Fahrzeit
zwischen den beiden Endpunkten betrug 1912 knapp eine halbe Stunde. |
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Steine
und Kartoffeln
Bis zum Ersten Weltkrieg wurden
mit dieser Bahn hauptsächlich Steine des Steinbruchunternehmens Burger
sowie Erzeugnisse der Landwirtschaft, insbesondere Kartoffeln, versandt.
Im Empfang herrschten Baumaterialien und künstliche Düngemittel vor. |
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Immer
noch Stichbahn
Die
Bahn ist bis zum heutigen Tage eine Stichbahn geblieben. Der erträumte
Anschluss nach Kusel blieb ihr versagt.
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Bedeutung
durch Truppen
Sie hatte bis 1937 nur lokalen
Charakter, erst danach erlangte sie größere Bedeutung durch den Bau des
Truppenübungsplatzes bei Baumholder.
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Kein
Personenverkehr
Der Personenverkehr auf der
Stichstrecke Heimbach Baumholder wurde in den 70 Jahren eingestellt. Viele
Menschen können sich noch an die schönen roten Schienenbusse erinnern. |
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Die
Bahnhöfe
Der Bahnhof Heimbach/Ort ist
zwar noch vollständig erhalten, dient aber einem Bauunternehmen als
Lagerschuppen. Der Bahnhof Ruschberg wurde teilweise abgerissen, nur der Güterschuppen
steht noch und wird von einem Baustoffhändler als Lagerschuppen benutzt.
Der Bahnhof Baumholder ist von der Substanz noch gut erhalten, ist aber
von der DB an einen Privatmann verkauft worden. |
Zukunft
der Strecke
Auf der Strecke werden heute
noch viele große Transporte insbesondere von Panzern und Fahrzeugen der
US-Streitkräften abgewickelt. Deshalb befindet sich die Strecke bis heute
in einem ausgezeichneten Zustand.
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Nachbetrachtung 1
Wenn nicht die
Truppentransporte zum Truppenübungsplatz Baumholder wären, so wäre die
Strecke bestimmt schon längst eingestellt und die Gleise abgebaut.
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Nachbetrachtung
2 Januar 2007
Stilllegung verhindert
Der Betrieb dieser Bahnstrecke ist Voraussetzung für die
langfristige Sicherung des Truppenübungsplatzes Baumholder. Für die zunächst
von der Stilllegung bedrohte Bahnstrecke wurde vom Innenministerium
Rheinland Pfalz, den US-Streitkräften, der Bundeswehr, der
Verbandsgemeinde Baumholder und der RP-Eisenbahn GmbH ein Lösungsmodell für
den weiteren Betrieb entwickelt. In diesem Zusammenhang übernimmt die
RP-Eisenbahn GmbH die langfristige Betriebsführung für die Bahnstrecke.
Ferner wird die Gesellschaft umfangreiche Sanierungsmaßnahmen sowie
Rationalisierungsmaßnahmen im Auftrag der Verbandsgemeinde Baumholder
vornehmen. |
Nachbetrachtung 3: 10. Dezember 2008
Mitteilung des
Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd)
Der für den regionalen Schienenverkehr zuständige Zweckverband
Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd) hat in seiner
Sitzung am 10. Dezember 2008 einstimmig die Reaktivierung der
Schienenstrecke Baumholder – Heimbach beschlossen. „Ab dem Fahrplanwechsel
im Dezember 2014 wird die Strecke in den Rheinland-Pfalz-Takt integriert und
täglich mit stündlichen Regionalbahnen bedient.
Im Vorfeld dieser Entscheidung haben sich bereits die Kommunalvertretungen
der Ortsgemeinden Heimbach und Ruschberg sowie der Stadt- und der
Verbandsgemeinderat Baumholder jeweils einstimmig für diese zukunftsweisende
Maßnahme ausgesprochen und auch beschlossen, sich an den erforderlichen
Investitionen zu beteiligen.
Die Kosten für die Ertüchtigung der Strecke, ihrer Signaltechnik sowie die
Neuerrichtung der Bahnsteige in Heimbach Ort, Ruschberg und Baumholder
werden mit insgesamt ca. 2,5 Mio. € veranschlagt.
Die Regionalbahnen auf der Strecke sollen in das sogenannte „Dieselnetzes
Südwest“ aufgenommen werden, dessen Leistungen im Jahr 2009 europaweit
ausgeschrieben werden.
Die Betriebsaufnahme ist für Dezember 2014 vorgesehen: Zwischen Baumholder
und Kirn ist eine stündliche Regionalbahn vorgesehen, die alle
Unterwegshalte bedient. In Kirn wird der Anschluss an die schnellen
Regional-Express-Züge nach und von Richtung Mainz bzw. Frankfurt am Main
hergestellt. |
Nachbetrachtung 4: 12.03.2012
NETINERA erhält Zuschlag für Dieselnetz Südwest
Die Vergabe des Dieselnetzes
Südwest in Rheinland-Pfalz ist entschieden: Die RAG, eine 100%ige Tochter
der NETINERA Deutschland GmbH, hat den Zuschlag für das Los 2 mit 6,7
Millionen Zugkilometern vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr
Rheinland-Pfalz Süd erhalten.
63 neue Fahrzeuge vom Typ Alstom LINT werden zum Einsatz
kommen,
Für die Kunden werden sich
insbesondere durch den Einsatz von neuen, barrierefreien Fahrzeugen,
zusätzlichen Verbindungen, die Reaktivierung der Bahnlinie Heimbach –
Baumholder für den Personenverkehr, mehr Zugbegleiter und den Ausbau des
personenbedienten Fahrkartenverkaufs erhebliche Verbesserungen ergeben. |
„Nach einer über 33jährigen Pause – unterbrochen nur durch
einige Sonderzüge anlässlich des Rheinland-Pfalz-Tages 2007 – werden ab
Dezember 2014 wieder regelmäßig Personenzüge das Mittelzentrum Baumholder
mit dem Zugangebot der Nahestrecke verknüpfen. |
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Insgesamt werden für die erforderlichen Baumaßnahmen
bis zur Fertigstellung ca. 3 Mio € investiert, das Land Rheinland-Pfalz
steuert hierzu einen Anteil von ca. 2 Mio € bei, die verbleibende Summe in
Höhe von einer Million Euro wird von den beteiligten Kommunen sowie dem
Landkreis geschultert. |
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Zum Einsatz kommen die modernen und Komfortablen Dieseltriebwagen vom Typ
LINT, die an den neuen Stationen einen ebenerdigen Ein- und Ausstieg
ermöglichen.
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Für die Bürger bieten sich dadurch folgende Verbesserungen:
- 16 Zugfahrten pro Richtung zwischen Idar-Oberstein und Baumholder, d. h.
ein Stundentakt an allen Tagen der Woche, der im Berufsverkehr mit den
Regional-Expresszügen der Nahestrecke aus/in Richtung Mainz/Frankfurt
Flughafen/Frankfurt Hbf in Kirn verknüpft werden wird.
- Fahrzeitverkürzung gegenüber dem Bus zwischen Idar-Oberstein und
Baumholder von ca. 10 – 15 Minuten.
- Drei barrierefrei ausgestaltete Stationen in Heimbach (Ort), Ruschberg und
Baumholder (Bahnsteiglänge 110 m).
- Einsatz von modernen und komfortablen Dieseltriebwagen, die an den o. g.
Stationen einen ebenerdigen Ein- und Ausstieg ermöglichen. |
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